ALLERHEILIGEN
Das Fest „Allerheiligen“. Wer ist mit „Heiligen“ gemeint? In seinen Briefen nennt der Apostel Paulus immer die Christen in den Gemeinden „ihr Heiligen“:
Röm 15,25: Doch jetzt gehe ich nach Jerusalem, um den Heiligen einen Dienst zu erweisen.
Eph 1,1: Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus.
Phil 1,1: Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind.
Möchten Sie „Heiligen“ genannt werden, ihr „Heiligen“ der Pfarre Don Bosco?
Das Wort „Heiliger“ hat einen Beigeschmack bekommen, weil wir dabei an einen Super-Frommen denken, der moralisch fehlerlos und deswegen auch von den „normalen“ Menschen abgehoben, und dadurch weltfremd erscheint. Dazu haben auch die vielen Heiligenbilder beigetragen: Ein Mann oder eine Frau mit verklärtem Blick, mit sanftem Gesichtsausdruck, oft süß lächelnd, vielleicht mit einem Heiligenschein, einfach kitschig. Das entstammt aus der Frömmigkeitskultur und den bildlichen Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert. Da meint Paulus, da meint die Bibel schon etwas anderes.
In unserer Alltagssprache sagen wir: „Er schwört bei allem, was ihm heilig ist, dass dies oder das nicht stimmt“. Mit „heilig“ ist hier etwas Wichtiges, Kostbares, sogar Unantastbares gemeint. Wir sagen auch: „Er wurde geheilt“, oder „Ich habe es heil überstanden“, oder „Er suchte sein Heil in der Flucht“. „Heil“ hat etwas zu tun mit „ganz, wohl werden, unverletzt, unversehrt“. Als Mensch kümmere ich mich um mein „Heil“. Überall verwenden wir das Wort „heil“, das auch in „heilig“ oder „Heilige(r)“ steckt.
Wir unterscheiden zwischen „profan = weltlich“ und „sakral = heilig“. Sakral heißt dann: zu der Welt Gottes gehörig, besonders nah an Gott sein, mit Gott verbunden sein. Deswegen nennt Paulus seine Christen „Heilige“.
Weil Menschen an Gott glauben, wirkt Gott in ihnen. Natürlich sehr unterschiedlich. Deswegen kennen wir größere und kleinere Heilige, nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch jetzt, unter uns. Wenn wir wirklich an Gott glauben, zu ihm Vertrauen haben, gehören wir zu ihm, zum Bereich Gottes, zur Gottes neuer Welt, zum Reich Gottes, auch wenn wir unvollkommen und fehlerhaft sind.
Am Anfang der Bergpredigt Jesu fassen die so genannten „Seligpreisungen“, die wir gerade gehört haben, das zusammen. „Selig, glücklich seid ihr“, wenn ihr in dieser Welt vielleicht nicht viel bedeutet, weil ihr vor Gott arm seid, aus der Überzeugung lebt, wie wenig Referenzen ihr Gott vorlegen könnt und deswegen alles von ihm erwartet; glücklich seid ihr, wenn ihr gewaltlos lebt und dafür oft einiges einstecken müsst; glücklich seid ihr, wenn ihr euch umeinander kümmert, barmherzig miteinander umgeht, mit einem ehrlichen Herzen ohne Hintergedanken; glücklich, wenn ihr Frieden sucht und nicht Streit; glücklich, wenn ihr zu eurem Glauben steht und dafür Nachteile, sogar Verleumdungen in Kauf nehmt; glücklich seid ihr, denn dann gehört ihr zu Gott, zu seiner Welt. Dann seid ihr seine Heiligen, ihr gehört zur Welt Gottes.
Wir feiern heute alle diese Menschen, auf die das zutrifft. Vielleicht auch auf uns? Wir freuen uns mit allen, die zu Gott gehören, so wie es im Johannesbrief in der ersten Lesung gesagt wird: „Denn wir dürfen uns nicht nur Gottes Kinder nennen, sondern wir sind es wirklich.“ Und: “Wer diese Hoffnung hat, wird alles daransetzen, ganz für Gott zu leben, so, wie Christus es getan hat.“ Heute feiern wir Allerheiligen und wir freuen uns, an Gott glauben zu können.